Drei Zigarren
Seit 1987 bin ich Bayern-Fan und schon damals saßen Sie als Manager auf der Bank des FC Bayern. Ich kenne meinen Verein nur mit Ihnen an der Spitze, in welcher Funktion auch immer. Jetzt können Sie meinen Verein nicht mehr lenken oder beschützen. Ich bin frustriert und habe Sie bereits gestern vermisst, lieber Uli Hoeneß.
Und ich muss leider sagen, dass ich seit gestern auch deshalb sehr gefrustet bin, weil ich mir viel mehr von den Fans des FCB erhofft habe. Was muss man sich nicht alles anhören, wenn es um die Stimmung in der Arena geht. Immer habe ich die Arena bzw. die Süd- und Nordkurve verteidigt. Seit gestern wird mir das sehr viel schwerer fallen. Seit vielen Jahrzehnten waren Sie gestern zum ersten Mal nicht als Kapitän an Bord und alles was uns zum Dank eingefallen ist, waren 30 Sekunden Gesang in der 75. Minute.
Ja, Sie sind ein verurteilter Straftäter. Und einen Straftäter hochleben zu lassen wirkt immer etwas komisch. Möglicherweise haben Sie durch Ihre Tat auch ein schlechtes Bild auf den FCB geworfen, aber das ist nicht der Rede wert, wenn man Ihre Verdienste gegenüberstellt. In erster Linie sehe ich den Macher des FC Bayern München. Ich sehe den Mann, der einen normalen Verein zum besten Verein der Welt gemacht hat. Das sind wir tatsächlich ganz offiziell. Es ist keine Zeile mehr aus einem Fanlied. Es ist Realität. Was hat man da gestern für eine Gelegenheit verpasst, Ihnen diesen Verdienst zu danken? Mit so vielen Dingen habe ich gerechnet: Bei der Mannschaftsaufstellung alle Nachnamen mit „Hoeneß“ zu beantworten, Dauergesang von mehreren Minuten, Wechselspiel zwischen Nord- und Südkurve bezüglich Ihres Namens…all das und noch viel mehr hätte ich Ihnen gegönnt. Und dabei hätte ich mir vorgestellt, wie Sie vor dem TV sitzen und die Dankbarkeit spüren. Ich glaube fest daran, dass Sie sich das gar nicht gewünscht haben und möglicherweise denken auch viele Fans so. „Lasst uns so handeln, wie Uli es gewollt hätte.“ Aber trotzdem hätten Sie sich sehr gefreut und es schlichtweg verdient gehabt.
Mir war am Freitag zum Heulen zumute und mir war gestern zum Heulen zumute. Ich möchte Ihnen hiermit für all die fantastischen Jahre danken. Sie haben nicht nur das Beste aus dem FC Bayern gemacht, Sie haben mich außerdem hervorragend unterhalten. Und dabei geht es doch in dem Geschäft. Ich hoffe, dass Ihnen in dieser schweren Zeit all das zurückgegeben wird, was Sie im Laufe Ihres Lebens gegeben haben. Und dabei rede ich nicht von materiellen Dingen.
Drei Zigarren halte ich bereit: Für den Tag Ihres ersten Freigangs, für Ihre Entlassung und für den Tag an dem Sie wieder ein Amt beim FCB übernehmen. Und sei es auch nur das Amt der „guten Seele“.
Vielen Dank, Präsident Hoeneß!




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